Wenn Jahrhunderte alte Architektur in Flammen aufgeht …


Sie wurde erbaut zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert, doch ihre Zerstörung dauerte nur wenige Stunden. Am gestrigen Montag, dem 15. April 2019, brannte ein Pariser Wahrzeichen, die Kirche Notre Dame, nieder …

Es war ein nicht ganz normaler Montag. Ich kam etwas schwer in die Gänge, war tagsüber nicht wirklich fit und auch nicht gut gelaunt. Da das Fernsehprogramm für den Montagabend weder eine Folge der Geissens, noch eine normale Folge der Reimanns und auch keine neue Folge Big Bang Theory und ebenso keine neue Folge der Sendung Feuer und Flamme (WDR) anbot, stellte ich mich auf einen lustigen Funkabend auf Zello ein und wollte den Fernseher nach den Regionalnachrichten eigentlich ausschalten. Das der Abend die sehr gut gedrehte Sendung Feuer und Flamme in seiner Dramatik übertreffen würde, ahnte zu dieser Zeit niemand, auch ich nicht …

Das Schleswig Holstein Magazin startete und noch bevor die erste Meldung vorgelesen wurde, gongte die Tagesschau auf meinem Smartphone. Eine Tickermeldung, okay. Entweder tritt Merkel irgendwann wirklich zurück, die Briten wollen nun doch nicht aus der EU aussteigen oder irgendjemand ist gestorben. Irgend etwas wird es schon sein, dachte ich.

Feuer in Paris: Notre Dame steht in Flammen

Erschrocken zappte ich auf NTV und ich sah die ersten Bilder. Der Dachstuhl der Kirche brannte lichterloh.

Quelle: Tagesschau.de

Während ich die ersten Bilder sah, informierte ich die Funkrunde auf dem Kanal, so dass wir alle ein gemeinsames Thema hatten. Wir waren alle samt beeindruckt und getroffen. Es machten auch Worte wie Nine Eleven die Runde, und tatsächlich war dieser Moment ein klein wenig damit vergleichbar, auch wenn schon jetzt fest stand, dass es sich nicht um einen Anschlag handelt.

Ich muss zugeben, Paris ist nicht wirklich meine Stadt und Frankreich ist nicht wirklich mein Land. Als Freund der Architektur zusehen zu müssen wie ein Gebäude in dieser rasanten Schnelligkeit zerstört wird (zum Beispiel der Einsturz des Turmes), hat mich jedoch schon getroffen und daher schreibe ich heute, am Morgen danach, diesen Blogeintrag.

Als Lustig/kranke Randnotiz des Abends wird der Tweet des US Präsidenten wohl in die Geschichte eingehen, als er die freundliche Empfehlung aussprach, Löschflugzeuge starten zu lassen. Selbstverständlich verbunden mit dem Hinweis, man müsse dies aber schnell tun. Was soll man dazu nur sagen?!?!?

Verschwörungstheoretiker werden an diesem Ereignis ihre Freude haben. Es ist schon ein Zufall, dass 2 Tage nachdem die wichtigsten Teile des Daches entfernt wurden, der renovierungsbedürftige Dachstuhl in Flammen aufgeht

Quelle: Kurier.at

Die meisten Menschen aus aller Welt, vor allem aber die Pariser Bevölkerung, hatte gestern Abend und in der Nacht nur eines im Sinn: Hoffen und beten damit die Grundmauern der Kirche standhaft bleiben und ein schneller Wiederaufbau möglich wird.

Quelle: Puzzlepalace.com.au

Am Morgen danach ist klar, die Grundmauern haben gehalten, die Türme stehen und die ersten 100 Millionen Spenden der reichsten Familie Frankreichs steht auch schon bereit.

Ein Neuaufbau kann jedoch nie, wirklich niemals das Gefühl der Geschichte wiederspiegeln. Ich vergleiche dies gern mit der im Krieg zerstörten Frauenkirche in Dresden. So toll diese heute auch ausschaut, jeder Mensch weiß, dass sie neu entstanden und keine Jahrhunderte überdauert hat.

Es gilt ganz allgemein, den Feuerwehrleuten aus Paris und Umgebung einen Dank auszusprechen. Obwohl ich nicht gläubig bin und die Echtheit eines Dornenkranzes von Jesus Christus oder die Existenz seiner Person eher anzweifeln würde, so haben sie Mut bewiesen bei dem Versuch zu retten, was gerade noch zu retten ist.

Wir werden erst in diesen Tagen erfahren welche Kunstschätze den Flammen zum Opfer fielen. Welche Holzintarsien nicht mehr wiederzubringen und welche Bleifenster erhalten geblieben sind.

Ich schließe diesen Blogeintrag mit einem Gruß an alle an Architektur interessierten Bloglesern und wünsche eine ruhige Karwoche.


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