FROSE#460 - DE BRÖÖÖMKOPP ON TOUR

Low-Budget Reisen mit dem VW-Bus, Fotografie, Transporte & einen Hauch von Vanlife

Asperger Syndrom

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A S P E R G E R   S Y N D R O M

( M ) E I N E   F O R M   V O N   A U T I S M US

Moin Moin liebe Blogleser,

das Asperger Syndrom ist eine abgestufte Form von Autismus und gilt als unsichtbare Behinderung. Menschen mit Asperger Syndrom haben Schwierigkeiten im Bereich der/dem…

  • sozialen Kommunikation
  • sozialen Interaktion
  • sozialen Verständnis

Desweiteren liegt oft…

  • eine von der Norm abweichende Wahrnehmungsverarbeitung
  • eine Neigung zu Spezialinteressen
  • sowie ein Bedürfnis nach Beständigkeit

…vor.

Diese Bedingungen können Asperger Autisten im Alltag vor einige Herausforderungen stellen. Oftmals werden sie von ihrer Umgebung als merkwürdig, außergewöhnlich oder schlicht und ergreifend „komisch“ wahrgenommen.

Mir persönlich ging und geht es ähnlich, denn auch ich habe das Asperger Syndrom, habe davon aber erst seit wenigen Jahren Kenntnis!

Die späte Diagnose Asperger, oder wie ich es gerne nenne, Arschberger Syndrom erklärt auf einen Schlag mein bisheriges Leben und die daraus entstandenen Schwierigkeiten.

Eine Diagnose ist dabei natürlich hilfreich, denn ich versuche heute „nur noch“ jedens zweiten Fettnapf zu erwischen und zwischendurch auch mal einen auszulassen!

In meinem Alltag gibt es viele Dinge, die sich täglich wiederholen. Sei es der morgendliche Griff zum Wasserkocher, die Reihenfolge in der Küche das Frühstück zuzubereiten oder die Wahl welchen Schuh ich zuerst anziehe.

Meine Welt bricht nicht gleich zusammen, wenn ich den falschen Fuß auf den ersten Pflasterstein links von der Haustür setze (Beispiel), denn dies spielt in meinem Leben keine Rolle. Es sind keine Zwänge, die mein Leben beeinflussen, sondern eher Marotten.

Kurz gesagt:

  • ich schließe die Tür nur einmal ab und nicht 10 mal
  • ich hüpfe nicht über Gehwegplatten im exakt gleichen Rhythmus
  • ich wasche mir auch keine 100 mal am Tag die Finger

 

„Mich muss  man sich nervlich schon leisten können“ sagte neulich ein Spruchbild auf Facebook und dies stimmt, denn ich bin anders als andere Menschen und dies äußert sich hauptsächlich in diesen Momenten:

Ich konzentriere mich hauptsächlich auf eine Sache, werde ich abgelenkt gibt es sofort Probleme!

Bedeutet z. B., wenn ich auf dem Weg von a nach b bin und vor habe etwas Bestimmtes zu tun. Werde ich dabei von der Seite angesprochen und muss reagieren/antworten ist die Ablenkung schon perfekt und ich kann garantieren, dass ich die eigentlich gewollte Handlung entweder gar nicht oder fehlerhaft ausführe.

Mit diesem Wissen stehe ich in der Außenwelt unter einem gewissen Druck. Man merkt mir diesen nicht an, da ich mich ganz normal verhalte, aber ich versuche beispielsweise im Alltag (beim einkaufen usw.) konzentriert zu sein und sobald ich abgelenkt werde zu reagieren.  Es mag daher witzig oder übertrieben aussehen, wenn ich im Laden versehentlich angerempelt werde oder sich jemand vorbeischleicht, dass ich dann sofort meine Taschen kontrolliere ob auch noch alles da ist. Mir ist halt bewusst, ich bin leicht ablenkbar und daher muss ich aufpassen! Klingt übervorsichtig, ist aber notwendig!

Ich benötige direkte und klare Aussagen/Anweisungen

Ich komme in meinem Alltag gut zurecht, aber wenn ich jemandem helfen soll, gibt es Probleme, denn ich sehe die Arbeit nicht. Ich weiß nicht was ich machen soll und stehe oft nur blöd herum, meistens auch noch im Weg.

Helfe ich jemandem, so muss ich wissen was ich tun soll. Ansonsten bleibe ich lieber fern, denn ich wäre eher ein Hindernis als eine Hilfe! Den Satz „Denk doch einmal mit!“ kenne ich auswendig…

Ich habe enorme Schwierigkeiten etwas zu lernen/verstehen

Um die Prüfung für meinen Angelschein zu bestehen habe ich fast ein ganzes Jahr lang gelernt. 1 Jahr für 10 verschiedene Daten und ein paar Fakten!

Lernen ist die Hölle für mich! Vokabeln gehen fast noch, aber beispielsweise Zahlen in Verbindung mit Fakten/Ereignissen (Geschichte) fliegen mir 1 mal durch den Kopf und weg sind sie. Nahezu keine Chance diese zu behalten!

Erworbenes Wissen behalte ich nur, wenn ich mich damit auch regelmäßig beschäftige. Bediene ich ein PC Programm jeden Tag ist alles gut. Setze ich mal ein halbes Jahr aus, dann fang ich praktisch von vorn an und brauche eine ganze Weile um mich hineinzufinden.

Dies alles muss nichts mit dem Asperger Syndrom zutun haben, sondern eher mit einer Lernschwäche, aber eines ist schon mal klar – eine besondere Begabung habe  ich nicht. Auch kein Spezialinteresse für Mathematik, ein fotografisches Gedächtnis oder dergleichen!

Jeder Termin baut eine Unmenge von Druck auf

Die wohl schlimmste Sache für mich ist der innere Druck. Habe ich etwas vor, sei es ein Treffen mit einem Bekannten (der mir nichts tut, es wird nichts passieren, rein gar nichts, denn es wird eigentlich toll) oder auch nur ein simpler Friseurtermin setzt mich sofort unter Druck.

Besorge ich mir am Montag einen Termin für Freitag, stehe ich praktisch ab Montag unter Dampf und ich habe keinerlei Chance diesen Druck abzumindern!

Im Film „Adam“, ein kurzer Trailer ist unten angefügt, gibt es eine Szene in der Adam hinter seiner Wohnungstür steht. Er weiß, er hat eine Verabredung, er möchte gern durch diese Tür gehen und einfach nur eine gute Zeit verbringen, doch er kann nicht. Er kann es einfach nicht und die Verzweiflung wächst!

Diese Szene verdeutlicht mein Leben ganz gut. Ich kenne dies in und auswendig. Ich sage Termine oft ab, da der Druck einfach zu groß ist und ich es einfach nicht schaffe.

Würde ich mir jetzt, Mittags um 12, vornehmen heute Abend mit dem Bus zu campen, würde ich garantiert noch Gründe finden es nicht zu tun.

Das dies meine Reiseplanungen gehörig ins schwimmen bringt, darüber brauchen wir nicht weiter zu diskutieren. Dies ist leider ein riesiges Hindernis…

Kontakte knüpfen, Gespräche führen, Themen finden

Ein riesiges Problem habe ich in der Kommunikation. Meistens höre ich nur zu, wenn ich mich mit Bekannten unterhalte. Grund ist: ich weiß einfach nichts zu erzählen!

Sicher, ich kann mich übers Angeln, über meinen Daunenkram oder über VW Busse unterhalten. Das stimmt, aber irgendwann wiederholt sich alles oder die Themen sind dermaßen unpassend, dass ich es gleich sein lasse, da ich weiß – rede ich, kommt eh nur Müll raus, also lass es gleich bleiben!

Ein Gespräch mit mir ist daher sehr sehr kompliziert!

Alles was sich außerhalb meiner Interessengebiete (Daunenklamotten, Angeln, VW Busse, Architektur, Fotografie, Design, Motorsport) befindet ist für mich einfach nur fremd. Ich habe oftmals keine Ahnung und schon gar kein Fachwissen und kann daher weder mitreden noch Ratschläge geben.

„Ooookay“

„Hmmm“

„Das ist ja  blöd!“

…sind dann meine Aussagen und das war es dann auch. Mehr kommt einfach nicht, weil nicht mehr da ist. Es geht einfach nicht! Für mein Gegenüber, ein paar Bekannte bzw. Freunde  habe ich ja, ist dies sicherlich unbefriedigend, aber ich kann über nichts reden, was ich nicht verstehe bzw. womit ich mich nicht befasse!

Werde ich ungerecht behandelt, gibts Ärger!

Dies muss nichts mit dem Asperger Syndrom zutun haben, denn niemand möchte ungerecht behandelt werden. In meinem Fall ist es jedoch so, dass ich dann kämpfe um, übertrieben gesagt, die Gerechtigkeit wiederherstellen will und muss!

Meine Meinung gefällt nicht jedem, aber es ist nun mal MEINE…

Ich sage was ich für richtig halte. Gefällt mir etwas nicht, so rede ich nicht um den heißen Brei herum und versuchte den Menschen zu schützen, sondern ich sage meine Meinung!

Du hast mich nach meiner Meinung gefragt, also hast Du sie zur Kenntnis zu nehmen! Sie muss Dir nicht gefallen, aber ich bin nicht dazu da anderen Leuten Honig ums Maul zu schmieren und ihnen etwas vorzuspielen. Fragst Du mich, sage ich Dir was  ich denke! Dies muss nicht korrekt sein, es ist eine Meinung von vielen, eben meine Meinung…

Die Partnerin fürs Leben finden – aussichtslos!

Aufgrund der zahlreichen Probleme, die mir das Asperger Syndrom und meine  Persönlichkeit (man darf nicht alles auf das A. Syndrom schieben!) in den Weg legen, ist die Suche nach einer Partnerin ein aussichtsloses Unterfangen.

Ich bin jetzt ca. 40 Jahre alt und hatte noch keine Beziehung, ja nicht mal ein Date!

„Du musst Deine Ansprüche herunterschrauben“ sagt man mir dann immer und ich antworte „Wieso?“. Ich möchte eine Frau kennenlernen, die mir gefällt. Die einigermaßen gut aussieht, aus meiner Sichtweise, nach meinem Geschmack.Wieso sollte ich versuchen mich an ein weibliches Wesen zu wagen, welches mich gar nicht interessiert?

Nur weil ich „komisch“ bin, vielleicht nicht gerade wie ein Träumchen aussehe und dazu auch noch irre Phantasien und Vorlieben habe (Daunenklamotten) muss ich noch lange keine 0815 Frau nehmen, sofern diese überhaupt da wäre, denn, es ist doch so…

Da ich in meinem Alltag höchstens mal der Kassiererin im Supermarkt begegne und sonst keinerlei Kontakte habe (ich gehe nicht in die Disco oder auf Partys) kommt es dazu nicht einmal und VON NICHTS KOMMT AUCH NICHTS!

Ich befinde mich also in einer absoluten Sackgasse. Ich habe mich darin beim zurückfahren dermaßen verkantet, dass ich feststecke um es einmal bildlich zu formulieren. Dies ist die Situation und ich sollte damit einfach mal leben!

Nach der Asperger Diagnose  habe ich es auch. Ich habe Jahrelang das Thema aufgegeben bzw. von mir weg geschoben, doch inzwischen ist es wieder da und zwar leider sehr markant.

Sehe ich am Strand Pärchen oder sehe ich eine hübsche Frau in der Stadt, dann ist das Verlangen unendlich und unerträglich!

Ich will dies auch erleben, aber aufgrund der Kommunikationsprobleme ist es nicht möglich. Ich stehe auch hier  vor einer Wand, die ich einfach nicht durchbrechen kann, denn ich weiß – rede ich, kommt nur Müll heraus, also lass ich es gleich sein, denn zum Affen hab ich mich früher genug gemacht, das brauch ich einfach nicht mehr!

Depressionen, Aggressionen und  mehr

Aufgrund dieser Tatsachen und meiner zahlreichen anderen gesundheitlichen Probleme (Reizdarmsyndrom, Schilddrüsenstörung Hashimoto, Asthma, krumme Wirbelsäule, Schmerzen in Beinen und Hüfte, nicht lange gehen, stehen können, Kreislaufprobleme und und und ist mein Leben einfach nur erbärmlich!

Wache  ich auf und spüre das der Tag heute nix wird, bin ich wütend!

Laufe ich in die Stadt und brauch anschließend 3 Tage Pause, weil ich so fertig bin, bin ich wütend!

Schmerzen die Beine/Hüfte, kneift der Bauch, bin ich wütend!

Die Wut auf meinen Dreckskadaver bestimmt einen Großteil meines Lebens, eben weil mich diese gesundheitlichen Probleme dermaßen einschränken!

Ich bin wütend, ich bin traurig! Ich bin hoffnungslos!

Ich sagte ja schon, „mich muss man sich nervlich leisten können…“

Es grüßt aus dem Ostseebad Eckernförde

Marko Andrae Meyer alias De Brööömkopp

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