Am 23. Mai 1978 wurde ich in der Kreisstadt Aschersleben geboren und bin in dessen Umgebung, mitten in Sachsen Anhalt im Harzvorland, aufgewachsen. Eine sehr lange Zeit erinnerte ich mich nicht gern an Aschersleben zurück, dies hat sich inzwischen jedoch etwas geändert…

Aus diesem Grund möchte ich Euch heute die 10 Gründe nennen, die mich an meinen Geburtsort erinnern. Egal ob positiv oder negativ. Ebenso zufällig gewählt ist die Reihenfolge!

1.) Grau/beige/moosgrün farbige, zerfallene Fassaden bestimmten die Zeit meiner Kindheit in Aschersleben. Fuhr man aus Hoym kommend in Aschersleben hinein, den Zollberg hinunter und dann Richtung Stadt, war man umgeben vom Zerfall. Es war ein schreckliches Bild. Aschersleben war kalt, grau, hässlich – einfach nur furchtbar!!!

Zum Glück hat sich dies inzwischen geändert. Nach der Wende hat sich einiges getan, vor allem die Fördergelder für die Landesgartenschau machten aus Aschersleben einen ansehnlichen Ort, wie man z. B. in der breiten Straße sehen kann.

2.) Breite Straße – die Einkaufsmeile sah früher nicht anders aus als oben im Punkt 1 beschrieben. Da es hier jedoch viele Läden und Kaufhäuser gab, hielt man sich hier natürlich auf. Man fuhr schließlich nach Aschersleben um etwas zu erledigen und nicht um das Flair der Stadt zu erleben *hust*.

Auch heute ist die breite Straße eine Einkaufmeile. Es gibt zwar das Kaufhaus nicht mehr, dafür aber die üblichen Läden.

Apropos Kaufhaus, da war doch was, wa war doch was…

3.) Im Kaufhaus in der breiten Straße gab es alles. Vom Kochtopf über Spielzeug, Elektro bis hin zu zahlreichen Klamotten. Als Kind habe ich es gehasst stundenlang in diesem Kaufhaus zu sein, bis sich Eltern oder Großeltern entschieden hatten und etwas gekauft haben.

Allerdings gab es auch etwas positives in diesem Laden. Dederonklamotten!

Richtig gelesen. Was heute als Nylon bezeichnet wird, hieß in der DDR Dederon. Gemeint ist nahezu das Gleiche und u. a. hier entstand meine Vorliebe für dieses Material und meine Leidenschaft.

Irgendwann war mir nämlich als Kind zu langweilig und ich war plötzlich verschwunden. Meine Familie suchte mich und fand mich irgendwann unter einem Kleiderständer wieder. Ich war dort runter geklettert und habe meinen Kopf in die Anoraks gesteckt. Wohlgemerkt mit 4 Jahren!!!!!!

Ich erinnere mich immer wieder daran zurück und träume gelegendlich davon. Heute besitze ich im Schlafzimmer ein Stahlseil, welches über dem Bett hängt. An ihm hängen meine Daunenklamotten. Platztechnisch geht es gar nicht anders und auch jetzt in die Grenze schon lange erreicht, aber ich liebe diesen Anblick, morgens auf/in die Klamotten zu schauen.

Wie komm ich jetzt zum Thema Dieselgeruch???????? Hmmmm…

4.) Der Dieselgestank am Busbahnhof begleitete mich nicht nur durch die Kindheit. Auch während meiner Ausbildung war ich täglich vor Ort und stand morgens um 5 im Halbschlaf in der Kälte auf diesem Drecksbahnhof und habe es gehasst, gehasst, gehasst!!!

Was ich dagegen mochte das war Busfahren. Aber diese Geschichte kennt Ihr ja schon in und auswendig! Was Ihr noch nicht kennt, ist jedoch den Bahnhofsvorplatz in Aschersleben, auch genannt Herrenbreite…

5.) Hellblaue Wasserbecken und bunte Goldfische gab es dort zu sehen und auch dieser Gedanke ist hängengeblieben!

In diesem Park gab es wirklich mehrere Teiche, verschiedenster Größe und in ihnen schwammen bunte Goldfische. Wartete man auf den Bus, setzte man sich in den Park und  beobachtete die Fische.

Heute ist der Park neu gestaltet. Aschersleben war Veranstaltungsort der Landesgartenschau und sieht daher recht schnieke aus!

Rings herum befanden und befinden sich Villen. Heute ist alles restauriert, damals war alles zerfallen. Ein Haus wurde jedoch erst durch das Anzünden einer Zigarette zerstört…

6.) Die Gasexplosion von Aschersleben betraf meine Familie, auch wenn von uns niemand verletzt wurde. Es war Mitte der 90er Jahre, ich hatte bereits meinen Führerschein und war in der Ausbildung in Eisleben. An diesem Tag versuchte ich meine Mutter mehrfach im Büro zu erreichen, doch das Telefon klingelte merkwürdig. Kein Freizeichen, kein Besetztzeichen, eher ein schnellen piepsen. Ich kam nicht durch!

Nach Feierabend fuhr ich durch Aschersleben hindurch und wollte zum Büro meiner Mutter, welches sich am Ende vom Busbahnhof befand. Da die Straßen abgesperrt waren, musste ich zu Fuß dort hin laufen.

Ich kam näher und näher und als ich die Menschenmenge erreicht hatte, sah ich ein völlig zerstörtes Bürogebäude!!!

Was war passiert: Meine Mutter kam an diesem Tag etwas zu spät zur Arbeit. Während sie das Auto parkte, gab es einen Knall und das Haus viel nach einer Stichflamme zusammen. Grund: Eine Gasexplosion!

Der Schock war natürlich groß, aber uns passierte nichts! Schmerzen musste ich an ganz anderer Stelle durchleben *klingtjetztvolldramatischgellelol*

7.) Die Poliklinik Aschersleben, nicht zu verwechseln mit dem Kreiskrankenhaus, besuchten wir früher sehr häufig, denn hier war nicht nur mein Kieferothopäde sondern auch der Lungenfacharzt.

Ich erinnere mich daher an dieses Gebäude, da ich es früher auch gehasst habe. Ich kenne dort, in alter Aspergermanier, jeden Kratzer auf den Fliesen und jede schief sitzende Schwingtür und und und.

8.) Der Tierpark von Aschersleben dagegen lieferte ausschließlich positive Erinnerungen. Hier fuhr man mit der Familie am Wochenende hin und auch Schulausflüge führten in den Zoo.

Neben den Gehegen und den Tieren erinnere ich mich auch noch an den Souvenirshop. Jaha, so was gab es auch in der DDR. Alle Kinder trugen damals diese bunten Plastikschirme/Visiere, die man sich auf den Kopf gesetzt hat und durchgucken konnte.

Eine Erinnerung, die geblieben ist. Ähnlich wie im Falle des Fasses…

9.) Das Fass war eine Bude, die aussah wie ein riesiges Fass. Die Bude stand in der Nähe vom Turm am Markt und dort gab es für 1 Mark eine Bock oder Bratwurst. Nahezu jeder Ascherslebenbesuch führte hier dran vorbei und es gab eine Wurst!

Etwas größer waren die Portionen im Braunen Hirsch!

10.) Der braune Hirsch war ein Restaurant, welches über der heutigen KIK-Filiale ansässig war. Das Essen war lecker und preiswert. Hier war man mit der Familie relativ häufig und hat sich darauf gefreut! Ein guter Abschluss mit einer positiven Erinnerung.

Ebenso könnte ich natürlich noch die Eisdiele am Brunnen nennen und das Fischgeschäft gegenüber, in dem die Karpfen lebendig im blaugekachelten Becken schwammen bis sie vor Ort getötet und eingepackt wurden.

All dies sind meine persönlichen Erinnerungen, die vielleicht nur wenige von Euch nachvollziehen können, wenn Ihr nicht gerade in Aschersleben und Umgebung aufgewachsen seid.

Fakt ist: Aschersleben sieht heute viel schicker aus. Hier und da gibt es natürlich noch Zerfall, aber im Grunde wurde viel renoviert und vor allem die Villen, um beim Thema Architektur zu bleiben, sind echt genial!

Dies kann man auch in meinem VLOG aus dem Winter diesen Jahres sehen:

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und wünsche eine angenehme Woche.

Es grüßt aus dem Ostseebad Eckernförde

Marko Andrae Meyer alias De Brööömkopp