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DAS RUNDSILO IM ECKERNFÖRDER HAFEN

GESCHRIEBEN VON MARKO ANDRAE MEYER

Während sich das Ostseebad Eckernförde in den letzten Jahrzenten, speziell in den letzten Jahren, stark verändert hat, bleibt eine Konstante dem Stadtbild weiterhin erhalten. Die Rede ist vom unter Denkmalschutz stehenden Rundsilo, welches zusammen mit der Siegfried Werft und der klappbaren Holzbrücke das Hafenensemble bildet.  

Ganz egal aus welcher Richtung und Entfernung man sich dem Hafen nähert, das markante Backsteingebäude zieht die Blicke magisch an. Bereits seit seiner Fertigstellung im Jahre 1931 ist das Rundsilo ein Wahrzeichen der Stadt Eckernförde.

Canon EF S55-250 Test Blick vom Rampenweg, oberhalb des Jungmannufers, in Borby (2017)

Anfang der 1930er Jahre herrschten schwere wirtschaftliche und politische Probleme im Land. Auch die umtriebige und geschäftstüchtige Stadt Eckernförde blieb davon nicht unberührt. Aufgrund der Vielzahl an kleinen Handwerksbetrieben, größeren Werften, der Fischereiindustrie samt ihrer Räuchereien und natürlich der Landwirtschaft, die bis heute die Gegend prägt, durchstand man diese schweren Zeiten nicht nur, sondern strebte schon damals nach Wachstum.

Die bereits genannte Landwirtschaft mit ihrem Getreidehandel trug einen Großteil dazu bei. Überall in der Umgebung wurden in Hafennähe, z. B. in Kappeln, Schleswig und Flensburg, Getreidespeicher errichtet um den Export anzukurbeln.

Korn wurde an genau der Stelle, an dem das Silo heute steht, schon damals gespeichert. Die Firma Chr. Sieck hatte jedoch mit Platzproblemen zu kämpfen und musste zum Teil außergewöhnliche Lösungen finden. So kaufte man beispielsweise den Tanzsaal einer Hafengaststätte um ihn als Lagerraum zu nutzen. Die Bevölkerung sah sich mit dem Verlust eines Freizeittreffpunktes konfrontiert, doch der Aufbau der Wirtschaft ging damals vor.

Fotospaziergang am Borbyer UferBlick aus dem Stau im Vogelsang auf Höhe der Siegfried Werft

1931 entschied man sich für den Bau des Silos an bekannter Stelle. Ein Kern aus Eisenbeton wurde bis auf Grundwassertiefe fundamentiert. Nur durch dauerhaftes Pumpen dieses Grundwasser war dies überhaupt möglich. Der fertige Silokern wurde anschließend mit Backsteinen ummauert und erhielt sein bis heute für das Stadtbild prägendes Aussehen.

Fertiggestellt wurde der Rundspeicher nach nur 5 Monaten. Dies gelang unter anderem durch den verantwortlichen Architekten Heinrich Hansen (auf den Link klicken um mehr über ihn zu erfahren!), einer Fachfirma aus Hamburg und zahlreichen Arbeitern und Firmen aus der Umgebung.

Kieler Woche 2017: Aalregatta Blick vom Petersberg in Borby während der Aalregatta

In den darauf folgenden Jahren wurde das Silo als Getreidespeicher genutzt, doch auch dies genügte nicht um den Getreidehandel weiter auszubauen. Es wurde weitere Silos, dem jeweiligen Standart seiner Bauzeit entsprechend, hochgezogen. Als Wahrzeichen diente und dient aber nur das Backsteinsilo an der Hafenbrücke!

Im Jahr 1982 kam was irgendwann kommen musste. Die Nutzung als Getreidespeicher war nicht mehr zeitgemäß und wurde aufgegeben. Glücklicherweise stand das Rundsilo bereits seit 1972 unter Denkmalschutz, so dass es keinem Abriss zum Opfer fiel.

Eine winzige Änderung in seiner Optik wurde dem Silo im Jahr 2003 hinzugefügt. Die Rede ist von einer der rund 20 Engelfiguren, die für einen guten Zweck (Unicef) in Eckernförde aufgestellt wurden. Eine 2,60 Meter große Figur bildet noch heute die Spitze des Rundspeichers. Fährt man Nachts durch die Stadt wirft man fast schon zwangsweise einen Blick auf den erleuchteten Engel. Manch einer bekommt erst durch diesen Blick, vor allem nach längerer Abwesenheit und Rückkehr in die Stadt, ein positives Gefühl.

Kieler Woche 2017: Aalregatta
Blick von der gegenüberliegenden Hafenseite während der Aalregatta

Unterhalb des Silos geht es noch heute sehr umtriebig zu. Während in der Vor- oder Nachsaison nur einige Spaziergänger das Hafenbild prägen, tobt im Sommer das pralle Leben.

So findet an jedem 1. Sonntag im Monat im Hafen der Fischmarkt statt. Zahlreiche Buden, LKW´s, kleine Wagen werden aufgestellt und bieten ihre Produkte zum Kauf an. Sei es Gemüsse, Blumen, Gebäck, selbstverständlich Fisch oder Textilien in hochwertiger oder aber auch billiger Qualität.

Dazu kommen die zahlreichen Feste und Partys. Angefangen von den Sprottentagen, dem Piratenspektakel und der Aalregatta, die den Auftakt zur Kieler Woche bildet. Hunderte Segelyachten in verschiedensten Größen und Klassen liegen nebeneinander im Hafen. Nahezu 100tausend Besucher wühlen sich durch die Partymeile, tanzen oder schauen sich einfach nur die Segelschiffe an.

Fotospaziergang am Borbyer Ufer Blick vom Museumssteg im Stadthafen Eckernförde

In der heutigen Zeit befindet sich ausschließlich in der unteren Etage des Silos ein Restaurant und Cafe. Die oberen Etagen können aufgrund der Statik in Verbindung mit dem Denkmalschutz leider nicht anderweitig genutzt werden.

Für mich persönlich stellt das Rundsilo ein echtes Traumhaus dar. Egal wann in am Hafen mit dem Auto oder dem Rad vorbeifahre oder zu Fuß laufe. Mein Blick geht in Richtung Silo, in dessen obere Etagen in meinen Augen ein rundes Industrieloft als riesige Wohnung seinen Platz finden könnte.

Hafen und Altstadtspaziergang im Ostseebad Eckernförde
Zoom-Blickauf die Silospitze (in stark überzeichneter Bildqualität)

Als Bürger der Stadt und als Besucher sollten wir uns an seinem gepflegten Zustand erfreuen und hoffen, dass der Rundspeicher auch in 10, 50, 100 Jahren noch das Bild des Eckernförder Hafens prägt.

Es grüßt aus dem Ostseebad Eckernförde

Marko Andrae Meyer alias De Brööömkopp