Moin Moin liebe Blogleser,

es folgt nun ein Bericht über meine Erlebnisse am gestrigen Nachmittag anlässlich des Piratenspektakels im Hafen/auf der Mole/ am Strand von Eckernförde.

 

Das Blut rauscht durch die Adern

Kreidebleich stehe ich vor dem Badezimmerspiegel am Freitag, 5. August 2016, kurz nach 16 Uhr nachmittags. Zweifel kommen in mir auf.

Soll ich? Oder sollte ich doch lieber nicht? Warum eigentlich nicht? Du schaffst das! Geh einfach los und mach tolle Fotos!

Es ist diese innere Zerrissenheit, die das Leben eines Asperger Autisten nahezu täglich durcheinander bringt. Selbst Kleinigkeiten wie z. B. ein Friseurbesuch werden dadurch zur gewaltigen Stresssituation, die man unbedingt umgehen will und dies oft nur durch die Absage in letzter Minute erreicht. Anschließend ärgert man sich darüber und will es das nächste mal anders machen, doch es kommt wie es kommen muss!

An diesem Freitag steht kein Friseurbesuch an sondern das Piratenspektakel im Hafen, am Strand und auf dem Rathausplatz. Tausende von Menschen strömen dort hin, lautes Kanonengeböller dröhnt durch die Stadt…

Und genau dort hin soll mich mein Weg nun führen? Ernsthaft? Du kriegst Stress, wenn Du eine Bohrmaschine laufen hörst und willst Dich neben Lautsprechern und Kanonen stellen???

 

Ich habe mich entschieden! Noch ein letzter Blick in den Spiegel, dann war es so weit. Kamera geschnappt, Autoschlüssel und Geldbörse, Sonnenbrille auf und los!

Mit dem Wagen fuhr ich hinunter in Richtung Stadt, bob dann aber direkt wieder ab und parkte den Bus in der Nähe der Aussichtsplattform auf dem Petersberg in Eckernförde Borby. Ich erwischte den letzten freien Platz und blieb noch einige Sekunden im Wagen sitzen. Hierbei beobachtete ich eine ausländische Familie, die meinen Wagen anstarrte…

Noch ein letzter tiefer Atemzug, dann stieg ich aus. Ich legte demonstrativ die Pedalfessel an während die Familie auf mich zu kam, dann hinter mir vorbeiging und in Richtung Aussichtsplattform verschwand.

Nachdem der Wagen gesichert war ging auch ich in diese Richtung und schoss das erste Foto vom Hafen inklusive Riesenrad.

Piratentage Eckernförde 2016

Die ausländische Familie sah mir dabei zu und stellte sich auf der Plattform auf. Ein Mann bat mich auch ein Foto von ihnen zu machen und übergab mir seine Kamera. Ich schoss ein paar Fotos und verabschiedete mich. Während ich mich in Richtung Hafen entfernte prüfte ich schnell noch einmal meine Taschen, Ihr wisst schon… Ablenkungsmanöver sind oft so clever, das man erst später feststellt das Handy und Schlüssel oder Geldbörse verschwunden sind. Übrigens völlig egal ob ausländische Familie oder deutsche Einzelperson!

Ich ging den Berg hinunter in Richtung Holzbrücke und traf im Hafen auf die ersten Menschenansammlungen. Noch hielten sie sich aber in Grenzen. Dennoch wechselte ich in ein mir bekanntes Schema. Einerseits alles auffassen und vor allem Details erkennen, andererseits den Stress, also die Menschen drum herum zwar beobachten aber dennoch irgendwie versuchen auszublenden.

Ich konzentriere ich in solchen Situationen auf die Fotografie und schoss die ersten Fotos von einzelnen Buden und den hübschen Verkäuferinnen :-).

Piratentage Eckernförde 2016

Piratentage Eckernförde 2016

Dann ertönte plötzlich hinter mir laute Marschmusike. Die Piratenkapelle zog durch den Hafen in Richtung Strand, wo gleich das Hauptgeschehen starten soll.

Piratentage Eckernförde 2016

Ich stellte mich ihnen „in den Weg“ und knipste drauf los. Dann sah ich plötzlich die Mischung aus Architektur und Rummelplatz und musste auch hier versuchen etwas zu zaubern, was jedoch nicht wirklich gelang, zugegeben.

Piratentage Eckernförde 2016

Als die ersten großen Menschenmassen auf mich zuströmten zog ich mich erstmal zurück. Ich ging hinter den Buden und Wagen fast allein entlang und konnte ganz kurz durchschnaufen. Ich betrat die Szenerie erst wieder auf dem Platz unter dem Segeltuch, wo am Abend die Musik auf der Bühne spielen soll. Extrabreit kommen morgen (also heute am Samstag).

Piratentage Eckernförde 2016

Genug von der Architektur. Nun gehts ans Eingemachte! Menschen, nichts als Menschen „erwarteten mich“ am Zugang zum Strand, auf der Hafenmole, auf der Terrasse des Ostseezentrums und dessen Dach. Wow… da musst Du jetzt durch! ! !

Über Mikro hörte ich eine männliche, lustig düstere Stimme. Der Pirat versuchte die umherstehenden Zuschauer, vor allem die Kinder, anzuheizen und in Stimmung zu bringen.  Ich ging auf Kuschelkurs in die Menschenmenge und versuchte einen Platz zu finden um Fotos machen zu können. Dies gelang mir mehr schlecht als recht, aber so ist es nun mal.

Piratentage Eckernförde 2016

Lustig wurde es als ein kleiner Junge weinend auf den Piraten zulief.

Pirat: „Wie heißt denn Deine Mama“

Junge: „Na Mama!“

Gelächter brach aus.

 

Pirat: „Ist hier irgendwo die Mama von diesem Kleinen?!“

Daraufhin näherte sich ein kleines Mädchen dem Piraten und hob die Hand.

Pirat: „Du bist doch unmöglich die Mutter! Du bist doch viel zu klein!“

Gelächter brach erneut aus.

 

Dann kam ein Mann auf den Piraten zu.

Pirat in Richtung des Jungen: „Kennst Du den Mann dort?“

Junge: „Papa!“

Positives Raunen ging durch die Menge mit etwas Gelächter.

Der Pirat übergab den Jungen und sagte noch: „Ob das Dein Papa ist….. na, das weiß man nicht so genau!“ woraufhin nun wirklich lautstarkes Gelächter ausbrach.

Dann ging die Choreographie ganz normal weiter und ich beschloss erst einmal auf die Mole zu gehen, denn mir wurde das in diesem Augenblick wieder etwas zu viel mit den Menschen drum herum und den lautstarken Lautsprechern.

Piratentage Eckernförde 2016

Auf der Mole waren zwar nicht gerade wenige Menschen, aber weiter hinten nur noch Angler, so dass ich mich dort hin zurückziehen konnte. Hier musste ich auch noch fast 30 Minuten warten bis die Piratenschiffe endlich kamen. Ich nutze die Zeit um zwei Leuten zu empfehlen sich zurückzuziehen.

Nein nein, klingt jetzt völlig drüber, aber es waren Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner doch tatsächlich dem Kanonenlärm aussetzen wollten? Ernsthaft!?!?!? Unfassbar!!!

 

Ich beobachtete die Hafenausfahrt und konnte vom hinteren Ende der Mole sehr nahe Fotos der Piratenschiffe schießen. Auf dem ersten waren die Leute zwar zivil bekleidet, aber sei es drum. Auf dem zweiten Schiff gab es dann auch Piratendeko.

Piratentage Eckernförde 2016

Piratentage Eckernförde 2016

Während ich das zweite Schiff fotografierte rummste hinter mir die erste Kanone und der Donnerschlag durchschütterte Mark und Bein. Hui, da hab ich mich doch glatt a weng erschrocken *lol*.

Piratentage Eckernförde 2016

Das Gefecht ging los. Kanonen wurden von den Schiffen aus und an Land abgefeuert. Rauch waberte umher und der wirklich laute Donner schallte über den Hafen. Ich schoss Fotos, konnte jedoch keine Feuerblitze einfangen. Außerdem fand ich keinen Platz in der ersten Reihe, so dass ich mich mit Fotos aus dem Hintergrund begnügen musste.

Ich war von der Gefechtssituation (eher vom Lärm) beeindruckt. Mir gingen andere Gedanken durch den Kopf. Hier ist alles witziger Spaß für Kinder und Erwachsene. Man mag sich jedoch kaum ausdenken was in den Köpfen der Menschen in der Ukraine oder in Aleppo (Syrien) vorgehen muss, die echten Bombenlärm, Tod und Zerstörung miterleben müssen.

Der erste Jubel brach aus, zusammen mit Gelächert, als das Toilettenhäuschen der Piraten in Rauch aufging und auseinanderfiel. Ein Pirat mit heruntergelassenen Hosen erfreute die Menschen.

Piratentage Eckernförde 2016

Daraufhin wurde der erste Angriff abgewehrt, die Bremen fing an zu rauchen und war geschlagen!

Piratentage Eckernförde 2016

Doch kaum drehte sie ab kam das zweite Piratenschiff und setze seine Kanone ein, die wiederum die Gegend zum zittern brachte. Kurz darauf begannen die Kämpfe an Land.

Piratentage Eckernförde 2016

Da ich kaum etwas sehen oder hören konnte entschied ich mich die Mole zu verlassen und ins Getümmel auf der Terrasse des Ostseeinfozentrums zurück zu gehen. Hier traf ich jedoch auf Rollstuhlfahrer, Gruppen von geistig behinderten Menschen und außerdem standen auch noch Tische herum. Es war ein mächtiges Gewühle um eine halbwegs ordentliche Position zu finden. Ich habe die meisten Fotos mit einer ausgestreckten Hand geschossen, so dass ich weder zoomen noch genau anvisieren konnte.

Piratentage Eckernförde 2016

Piratentage Eckernförde 2016

Ich war wie im Rauschzustand und nahm vom eigentlichen Kampfgeschehen kaum etwas wahr. Die Dialoge gingen an mir vorbei. Ich habe einfach nur fotografiert und mich durch die Menschenmassen gewühlt ohne Kinder zu treten, Rollstuhlfahrer die Sicht zu behindern oder Menschen an Gehhilfen zu Fall zu bringen.

Irgendwann fingen plötzlich alle um mich herum zu klatschen an und drehten sich augenblicklich um und verließen den Ort Richtung Promenade. Nun begann das Gewühl erst richtig dick zu werden…

Piratentage Eckernförde 2016

Ich schob mich hindurch und fand einen relativ leeren Platz abseits auf der Wiese zwischen Eiscafe und Promenade. Hier baute sich die Kapelle auf. Der Marsch Richtung Rathaus stand auf dem Programm. Ich schoss noch ein paar Fotos, bog dann jedoch links ab und entzog mich der Situation.

 

Puuuuuuuh, luftholen zwischen den neugebauten Häusern und Absperrungen der Baustelle. Was für eine Menschenmenge. Wahnsinn. Und ich mittendrin statt nur dabei.

Ich ging Richtung Rathaus, nahm jedoch einige Abkürzungen sowie Umwege in Kauf um relativ allein zu sein in den Gassen der Eckernförder Altstadt. Das Blut rauschte in meinen Adern. Ich hatte Druck auf den Ohren vom Heuschnupfen, den Kanonen und Lautsprechern. Mein Puls rauschte durch die Lauf bzw. Gehbewegung in den Ohren und klopfte spürbar in den Adern. Ich war unter absoluter Hochspannung!!!

Am Rathausplatz angekommen sondierte ich die Lage. Der Platz war voller Menschen, das Licht kam aus Richtung Rathaus. Mist. Wie will man hier Fensterfotos schießen bei Gegenlicht?!

Piratentage Eckernförde 2016

Ich kannte die Szenerie noch vom letzten mal. Ich war vor gut 15 Jahren auf den Piratentagen und habe auch fotografiert mit meiner damaligen Sony-Digicam. Damals wurde die Bürgermeisterin im Rathaus gefangengenommen und am Fenster präsentiert.

Ich suchte mir eine Position und entdeckte über dem Bürgerhaus eine Art Wintergartenfenster. Unten stand eine Frau, die alles beobachtete. Ich fragte sie ob ich oben rein dürfte um Fotos zu schießen und sie führte mich hinauf.

Piratentage Eckernförde 2016

Ich dachte in diesem Moment ich habe die BESTE Position von Allen Menschen auf dem Platz. Doch Fehlanzeige. 1. hingen die Äste der Bäume im Blickfeld, zum andere stellte sich heraus, dass das Geschehen auf einer kleinen Bühne stattfindet, die ich von unten nicht gesehen hatte.

Ich blieb trotzdem dort oben und schoss einige Fotos. Das Kampfgeschehen vor dem Rathauseingang konnte ich ideal im Bild festhalten!

Piratentage Eckernförde 2016

Dann musste ich die Position aufgeben und mich wieder ins Getümmel stürzen. Also einpacken, noch mal luftholen und los!!!

Ich versuchte mich durch die Menschenmassen zu wühlen und gelang dabei ständig in die absolute Nähe der Lautsprecher. Boah was ein Krach/Stress! ! ! Den Schwertkampf des Bürgermeisters konnte ich leider nicht fotografieren, aber als er dann auf dem Wagen geschnallt und vorgeführt wurde stand ich direkt 2 Meter davor und hatte einen sehr guten Blick auf das Geschehen!

Piratentage Eckernförde 2016

Auf dem Abtransport Richtung Hafen wurde wieder laute Musik gespielt. Ich ging an der Kapelle vorbei um das Geschehen von ganz vorn aus fotografieren zu können. Wie ich dann heute (Samstag) beim Bearbeiten der Fotos feststellen musste, hat sich unser Bürgermeister doch ganz schön in Szene gesetzt *ggg*

Piratentage Eckernförde 2016

Piratentage Eckernförde 2016

Piratentage Eckernförde 2016

Auf dem Weg in Richtung Hafen traf ich auf meinen Kumpel. Ich wollte jetzt eh nicht noch weiter in Richtung Strand gehen, sondern Richtung Auto und dann nach Hause.

Ich stand noch immer voll unter dem Einfluss des Adrenalins als ich am Parkplatz ankam und in den Bus stieg. Ich fuhr nach Hause mit klingelnden Ohren und war völlig durchgeschwitzt. Was für eine Aktion, aber ich war dabei!

Daheim sichtete ich kurz die Fotos, entschied mich aber dann dazu nix mehr zu machen sondern Fotos und vor allem Bericht am Samstag zu schreiben.

 

Alle Fotos könnt Ihr in diesem Album einsehen:

Piratentage Eckernförde 2016

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und grüße aus dem Ostseebad Eckernförde, welches an diesem Wochenende in Piratenhand ist.

Marko Andrae Meyer alias De Brööömkopp

P.S.: Solch ein hübsche Piratenbraut mit ihren Löckchen hat schon was! Ja, doch, schon, irgendwie……….. ^^

Piratentage Eckernförde 2016